[T] Home, sweet home

Hi there! Endlich wieder ein Themenbeitrag!

Mein Zimmer. Durch die Tür geschaut.Das Thema ist: Housing! Also im Prinzip wie ich hier wohne. Diesen Beitrag wollte ich schon länger schreiben, aber erst in der letzten Zeit bin ich dazu gekommen, Fotos zu machen. Denn auch wenn ich gerne und viel erzähle, wirklich wichtig sind doch eh nur die Bilder. Da liest keiner mehr die Beiträge. Aber ich gebe nicht auf! Also lets go!

Wie ich schon öfter erwähnt habe, wohne ich hier im Ketter (nennt man hier nicht Keller sondern basement, in Deutschland sagt man ja auch nicht Keller, sondern Souterrain, ist aber trotzdem Keller). Der Eingang den wir benutzen ist hinter dem Haus in Richtung Lester St., könnt ihr ja mal bei Google Streetview anschauen. Durch die Tür kann man auch in die Küche der Erdgeschosswohnung gehen, aber mit den Erdgeschosslern haben wir quasi nix zu tun. Durch die Tür durch fällt man (wenn man nicht rechtzeitig in die Küche abgebogen ist) direkt eine steile Treppe runter in den Keller und landet in unserem Flur. Der verbindet alle fünf Räume mit der Küche (am Nordende) und den Badezimmern sowie der Waschküche (am Südende). Im Flur steht auch ein Tisch und ein Sofa, das wird aber nie genutzt, da hier nicht sonderlich viel los ist. Normalerweise ist jeder in seinem Zimmer, die einzige andere Möglichkeit zum Antreffen der Mitbewohner ist die Küche.

Mein Zimmer ist das letzte vor der Küche und damit auch das, was am weitesten entfernt von der Haustür ist. Ich finde ich habe das beste Zimmer, da ich immer mitbekomme, wenn jemand in der Küche ist. Somit kann ich immer kurz vorbeischneien und ein paar Worte wechseln. Außerdem bin ich am weitesten entfernt von der Badlüftung und der Waschmaschine. Meine Zimmertür steht normalerweise immer offen, da ich gerne allen die Möglichkeit zur Interaktion bieten möchte. Ich finde es schöner, wenn mal jemand vorbei schaut und Hallo (bzw. hey, hows it going) sagt (was aber eh nicht so häufig passiert). Außerdem habe ich nichts zu verbergen. Was sollte ich auch in knapp 30 Kilo Gepäck zu verbergen haben. Neben mir wohnt Tashrif. Tashrif ist ein internationaler Student aus Bangladesh und ist schon eine gefühlte Ewigkeit hier in Kanada. Er schaut öfter vorbei und sammelt mich ein, wenn er eine Rauchen geht. Generell ist Tashrif der, der das soziale Leben hier unten ein bisschen am Laufen hält. Wir gucken am Wochenende hin und wieder Filme bei ihm, oder er hat Freunde da und läd mich und Mourad ein mit abzuhängen. Ohne Tashrif wäre ich glaube ich ein ganzes Stück einsamer. Neben Tashrif wohnt Jessica. Jessica ist eine Macherin, sehr direkt und reagiert gerne ein bisschen über. Sie hat am Anfang viele Änderungen angestoßen an die Alle gedacht haben, die aber niemand aussprechen wollte, das war ziemlich gut. Ebenfalls fühlt sie sich generell unsicher, da ihr Zimmer direkt gegenüber der Tür ist und diese häufig unverschlossen ist. In dieser Hinsicht ist sie ein bisschen Paranoid, aber sonst ist sie ganz ok. Sie wohnt aber wirklich nur hier, hat ihre eigenen Freunde und ihre eigenen Sachen und auch ständig was zu tun. Immer wenn ich sie treffe erzählt sie von all den Sachen, die sie noch machen muss. Anscheinend ist ähnlich beschäftigt wie Mourad, aber sie redet mehr darüber. Sie redet außerdem häufig davon, dass sie ausziehen wird, wenn sie einen Nachmieter für ihre Wohnung findet. Mal sehen ob das noch klappt, ich zweifel ein bisschen daran. Sie kocht außerdem gerne und meist zu viel. Hin und wieder bietet sie mir abends was zu Essen an, was ich natürlich zu schätzen weiß (kochen kann sie wirklich gut). Aber sonst habe ich oder haben wir nicht viel mit ihr zu tun. Dann ist da noch Mourad, der direkt neben dem Badezimmer wohnt. Mourad ist ein bisschen sonderbar, aber ich mag ihn sehr. Er ist sehr ehrgeizig, arbeitet quasi den ganzen Tag und ist daher auch nicht oft zu sehen. Er braucht gute Noten, um in der nächsten Zeit in die Pharmacy school wechseln zu können, was hier wohl eine sichere Zukunft ist, sobald man einmal die Aufnahme geschafft hat. Soweit ich das bisher verstanden habe, ist seine Motivation auch wirklich nur dieser sichere Platz in der Pharmacy school und der damit verbundene sichere Job nachher. In der Richtung sind wir ein bisschen verschieden. Mourad ist aber sonst ein prima Kerl, der eine interessante Vergangenheit hat. Ich bin gespannt, ob und was ich noch mit ihm zusammen erlebe. Mourad hat strikte Regeln was seine Tagesplanung angeht, daher treffe ich ihn eigentlich täglich in der Küche, wo wir dann immer ein bisschen quatschen. Aber egal wie ernst das Thema dann gerade ist, wenn er sein Essen fertig bereitet hat, dann geht er. Das fand ich am Anfang schon gewöhnungsbedürftig. Aber er ist eben sehr zielstrebig. Ich wünsch ihm das beste. Schlussendlich ist da noch ein Mädchen, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Sie wohnt im einzigen Raum auf der anderen Seite des Flurs und ist erschreckend unauffällig. Wenn ich sie mal in der Küche treffe kann man gut mit ihr reden, aber sonst tangiert sie das alles hier recht wenig.

Die Küche, der soziale Schmelztiegel der WG, ist, gelinde gesagt, ein bisschen verkommen. Generell kann man dort gut seinen Kram zubereiten, aber in viele Schränke sollte man besser nicht gucken. Es liegt überall Zeug herum, von dem keiner weiß, wem es gehört. Sicherlich sind viele Sachen Hinterlassenschaften von Vormietern, aber zum Ausräumen hat keiner Zeit oder Lust. Ich habe ein bisschen Geld investiert und mir mein eigenes Geschirr gekauft, was sicherlich keine schlechte Idee war. In der Küche steht eine (dank Jessica) funktionstüchtige Mikrowelle, Wasserkocher, Toaster (von dem keiner weiß wem er gehört), Mourads Kaffeemaschine und noch weiterer Kram, der aber nie benutzt wird und bei dem ich mir auch nicht sicher bin, ob er noch funktioniert. Außerdem haben wir einen Herd und zwei Kühlschränke. Der Herd ist, wohlwollend formuliert, etwas alt (Tashrif: “Man, this thing is so retro”), zumindest die Herdplatten funktionieren aber noch gut. Mit dem Herd selbst bin ich noch nicht so ganz warm geworden (haha). Ich dachte, ich hätte seine Missfunktion nun nach ein paar Wochen verstanden, aber er verhält sich jetzt schon wieder anders. Naja, die Pizza, die ich hin und wieder mache, klappt zurzeit ganz gut. Vor komplizierteren Ofengerichten sollte ich vielleicht absehen oder vorher noch ein paar Experimente mit dem Herd durchführen. Die Spühle hat ein Abflusssieb, das IMMER voll mit Essensresten ist. Keine Ahnung, wer da immer sein Abendessen entsorgt, aber manchmal sieht das sogar echt lecker aus. Vor dem Spülen also immer: Sieb entleeren. Der Kühlschrank in der Küche ist glaube ich ein bisschen kaputt, also er hält noch kalt, aber er läuft unter Dauerlast. Ich benutze den anderen Kühlschrank. Der war zu beginn so kalt eingestellt, dass mir ein paar Sachen gefroren sind, daher habe ich neuerdings die Temperatur angepasst, denn partiell eingefrorene und wieder aufgetaute Honigmelone kann keiner essen. Vielleicht war das auch der Grund für meine Verdauungsbeschwerden in Woche 5, wer weiß…

Wir haben zwei Badezimmer, das eine mit Dusche, das andere ohne. Beide sind nicht Blitzsauber, aber es geht. Die Dusche ist in etwa so alt wie der Herd, aber sie funktioniert und wird unglaublich schnell unglaublich warm. Duschen gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Generell gibt es aber, entgegen meiner Befürchtung, keine Komplikationen mit der Badnutzung, da wir alle unterschiedliche Stundenpläne und Tagesrythmen haben. In der Waschküche stehen eine Waschmaschine und ein Trockner, die kostenfrei nutzbar sind. Die Waschmaschine funktioniert ein bisschen anders als in Deutschland. Es gibt nur vier Temperaturprogramme: Kalt/Kalt, Warm/Kalt, Warm/Warm und Heiß/Kalt. Ich gehe davon aus, dass das die erste Temperatur für den Waschgang und die zweite für den Spülgang steht und stelle die Temperatur immer nach Gefühl ein. Bisher ist auch nix schlimmes passiert. Keine Ahnung wie heiß oder warm “warm” und “heiß” nun wirklich sind. Waschmittel gibt man direkt in die Trommel. Weichspüler, wenn gewünscht, muss man manuell zum Spülgang in die Trommel kippen. Da ich den Beginn des Spülgangs regelmässig verpasse, stelle ich, nachdem die Wäsche fertig ist, meist nochmal den Spülgang ein und kippe dann Weichspüler dazu. Den Weichspüler habe ich nicht, weil ich weiche Wäsche brauche, sondern weil sie dann besser riecht. Das Standartwaschmittel hat nämlich einen mir unangenehmen Eigengeruch. Der Waschgang braucht nur ca. 30 Min, keine Ahnung wie das geht. Danach kommt alles in den Trockner. Ich bin eigentlich kein Trocknernutzer, aber sonst würde die Wäsche hier nie trocken. Der Trockner braucht nochmal 1-2 Stunden und dann kann man die Wäsche wieder nutzen, schon praktisch. Die Geräte sind auch nicht oft besetzt, im Gegensatz zu der Maschine in Paderborn.

Mein Zimmer habe ich bisher noch nicht beschrieben. Ich würde die Grundfläche auf ca. 3m x 3,5m schätzen, wenn man keine Küche im Zimmer hat reicht diese Größe auf jeden Fall aus. Zur Ausstattung gehört ein Schreibtisch, der ein bisschen zu kurz in der Tiefe ist, aber mir sonst vom Konzept her gefällt, eine Kommode, in der meine Klamotten lagern, eine Niesche mit Kleiderstange und Regalbrett, dort stehen meine ungekühlten Lebensmittel und ein weiterer Tisch, auf dem ich üblicherweise mein dreckiges Geschirr aufbewahre und meine Schnitten für den Tag schmiere. Klingt im ersten Moment komisch, aber dadurch blockiert der Kram nicht die Küche und ich spüle eher ab, weil es ja in meinem Zimmer vor sich hin gammelt. Achja, und ein Bett habe ich auch. Special-Features: 1,90m Länge (meine Füße hängen standartmäßig raus) und spürbarer Federkern! Aber ich hab kein Grund zu meckern, ich schlafe dort gut. Ich habe mir schöne rote Bettwäsche geleistet, die sieht wenigstens nach was aus. Ich brauche auch nur einen Satz, da ich sie ja innerhalb von 3 Stunden waschen kann. Praktisch praktisch. Vor dem Fenster hängt ein kaputtes Lamellenrollo. Es bietet nur ein bisschen Sichtschutz, keinen Schutz vor Sonne oder der Straßenbeleuchtung in der Nacht, aber damit habe ich keine Probleme. Ich mag Sonne im Zimmer und nachts schlafe ich ja.

In meinem Zimmer stand ursrünglich ein geflochtener Stuhl, der ist aber nach ein paar Tagen meinen spitzen Gesäßknochen erlegen. Zurzeit habe ich mir aus dem Flur einen supergemütlichen Bürostuhl geklaut, der aber leider nicht zum arbeiten geeignet ist, da zu tief und zu beqem. Aus diesem Grund habe ich noch einen weiteren Holzstuhl aus dem Flur abgezogen, auf dem kann man nicht lange sitzen, aber den brauche ich ja nur zum arbeiten (was ja eh nicht so häufig vorkommt), sonst macht er eine prima Figur als Kleiderständer. Ich bin so froh, dass ich meine kleine Aktivbox mitgenommen habe, die versüßt mir tontechnisch wirklich die Zeit. Immer Kopfhörer wären echt zu unangenehm. Da die Deckenbeleuchtung abends zu dunkel ist, habe ich mir eine anklemmbare Schreibtischlampe gekauft, eine der besten Investitionen bisher. Sachen, die ich mir fürs Zimmer noch gekauft habe, sind: Mülleimer, Kleiderbügel und Wäschekorb.

Zusammengefasst ist die Wohnsituation hier nicht optimal, aber wirklich ok. Es funtioniert alles mehr oder weniger, die Bude ist angemessen sauber und, und das ist meiner Meinung nach am wichtigsten, die Roommates sind klasse. Damit habe ich am meißten Glück gehabt. Der Knaller an der Bude ist aber der Preis: 250$! Das ist wirklich spottbillig, vor allem wegen dem kurzen Weg zur Uni. Normale Wohnungen in dieser Komfortklasse liegen bei 350-400$, für etwas neuere bezahlt man ab 500$ aufwärts. Mein Wohnheimplatz sollte ca. 550$ im Monat kosten.
Generell wird die Wohnsituation für Studenten hier ein bisschen anders als in Deutschland wahrgenommen. Es ist durchaus üblich, jedes Term umzuziehen. Die Wohnungen haben oft eher Hotelcharakter und werden auch mehr in die Richtung bewirtschaftet. Für die Wohnheime musst man sich bspw. jedes Term erneut bewerben. Die Mietperiode im Wohnheim geht auch wirklich nur die Zeit, die man auch an der Uni ist, d.h. vom ersten Unitag des Terms bis zum letzten Exam. Danach muss man raus und dann wird einmal grundsaniert (bei Bedarf) und neu vermietet. Das ist so üblich. Dafür bieten die Wohnheime und auch die Privatwohnungen etwas mehr Service, vollmöbliert ist üblich, oft kann auch anderer Kram noch geliehen werden, Hotelmässig eben. Damit bekommt man eine ganz andere Einstellung zur Wohnung. Generell sind die Studenten hier weniger achtsam mit ihrer Wohnung, da sie ja eh zum Ende des Terms wieder ausziehen. In Deutschland ist das ja ein bisschen anders, auch wenn dort ebenfalls viele Studenten über die Wochenenden oder die Semesterferien nicht in ihren Wohnungen leben. Aber trotzdem nimmt man seine Wohnung viel eher als sein “zuhause”, oder zumindest als ein Ort, wo man eine längere Zeit verbringen wird, wahr, und verhält sich auch dementsprechend. Naja, aber Housing ist hier halt eine Dienstleistung wie der gesamte Rest der Uni ja auch. Und es wird viel Geld damit gemacht. Unser Haus ist eines der letzten Einfamilienhäuser auf unserer Seite der Straße. Alle anderen Häuser sind Appartmentbunkern gewichen, die Straße ist attraktiv, viel näher kommt man der Uni nicht. Ich wohne sogar näher dran als die Studenten im CLV, einer on-campus residence.

So, das war es zum Housing und zu meinem Umfeld hier. Ist ein bisschen länger geworden, aber es gibt ja auch viel zu dem Thema zu erzählen. Unten habe ich noch eine Menge Bilder verlinkt. Enjoy! Und falls ihr noch etwas zur Wohnung oder zur Wohnsituation der Studenten hier in Kanada wissen wollt, schreibt einfach eine Frage in die Kommentare, ich probiere sie dann zu beantworten, dann haben alle was davon. Bis dahin, liebste Grüße aus 133 B (das B steht für Basement 😉 ) Columbia St. W.

Niko

Flur von der Treppe aus Richtung Küche. Das letzte Zimmer links ist meins.Küche von der Tür ausKüchenzeile mit Spüle und HerdHerd mit Abendessen in meiner grüne Pfanne.Regal voll mit Kram der mir nicht gehört. Einiges davon gehört keinem.Blick aus der Küche in den Flur. Links der Kühlschrank. Meine Zimmertür ist immer offen :)Waschbecken im zweiten Bad. Ist größer und komfortabler.Blick den Flur hinab von Norden. Wer ist der komische Typ im Spiegel?Blick in Richtung Süden, das Bad ist hell erleuchtet.Das große Bad (groß ist relativ, aber da ist die Dusche drin)Dusche. Den Heben muss man drehen und nicht ziehen. confusing...Blick vom Flur in die Waschküche.Waschküche mit Blick auf die Waschmaschine. Hinter der Tür ist das zweite Bad.Das zweite Bad."Geh nicht ins Licht, Niko!" "Aber ich muss doch zur Uni..."Mein Zimmer. Durch die Tür geschaut.Schreibtisch und Kommode mit KlamottenBett! omg its red!Pseudo-Küchentisch, von außen nicht sichtbar hinter der Tür platziert.Halb Schrank halb Niesche... Oben Lebensmittel, unten Reinigungsmittel

3 Gedanken zu „[T] Home, sweet home

    1. Niko Artikelautor

      Ja, es gibt in Kanada auch IKEA
      Wie du sehen kannst, gibt es in Kanada auch IKEA. Das Bild ist auf dem Weg nach Toronto entstanden, man beachte auch den schnarchenden Chinesen im Vordergrund. 😉

      Antworten
  1. Katrin

    Hallo mein Schatz :-*
    Hoffe dir gehts gut und du hattest bis jetzt einen schönen Tag.
    Es ist schön, sich die Wohnung auch mal anschauen zu können, und um ehrlich zu sein, hab ich´s mir schlimmer vorgestellt :-)
    Sieht doch ganz gemütlich aus.
    Freu mich schon auf morgen Abend, fühl dich geknuddelt und geknutscht :-*
    Katrin

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