[R] Elora Gorge by Bike

Hi there,

"I ride a lonely road, the only one that I have ever known"Reise Nummer zwei! Eventuell ist das Wort Reise ein bisschen übertrieben und das Wort Trip oder Ausflug ein bisschen besser geeignet, jedoch finde ich, dass dieser “Trip” wesentlich abenteuerlicher war, als der Trip nach Toronto. Wie schon in der Überschrift angedeutet, bin ich Fahrrad gefahren. Alleine. Die ganze Abenteuerlichkeit dieser Idee ist mir natürlich erst bewusst geworden, nachdem ich wieder zuhause war. Ich glaube das war auch besser so, sonst wäre ich sehr wahrscheinlich gar nicht erst los gefahen. Und das wäre, im Nachhinein, schade gewesen.

Die Route hatte ich natürlich nicht zufällig ausgewählt, die Idee für die gesamte Tour lag eigentlich woanders, ich habe sie bei ISX geklaut, als ich auf der Suche nach prepared trips auf einen Tagestrip nach St.Jacob’s und Elora Gorge gestossen bin. Das Problem mit den Trips von ISX ist, dass die alle in Toronto starten. Daher muss man sich gut überlegen, welche Trips infrage kommen, da ja vor dem eigentlichen Trip noch die Anreise nach Toronto liegt. In der Tripbeschreibung stand zum oben erwähnten Tagestrip:

St.Jacobs is rich in a living visual heritage with its long-time connection with the Old Order Mennonites who still come to town by horse and buggy. St.Jacobs major attractions include the famous Farmers Market and Market Road Antiques, both authentically Waterloo County, where you will find treasures in over 100 shops or even inside the historic mill and silos.

Then enjoy the spectacular Elora Gorge and its 80 foot limestone cliffs descending into the Grand and Irvine Rivers. Ideal for nature lovers.

Moment mal, Waterloo Country? Wo liegen St. Jacob’s und Eloras Gorge (gorge ist englisch für Schlucht) überhaupt? Witzig witzig, St. Jacobs ist von Waterloo aus easy mit dem Bus zu erreichen und Elora ist ein 30 km entferntes Kaff. 30 km? Das könnte ich ja sogar mit dem Fahrrad erreichen, dafür muss ich nicht vorher nach Toronto fahren… Gesagt, getan.

Die Vorbereitungen verliefen ein bisschen unkoordiniert, die Route hatte ich ganz schnell mit Google Maps ausgewählt, ich wollte nach Elora fahren, am besten über nicht stark befahrene Straßen, nun musste nur noch ein Datum und ein Fahrrad her. Ein Fahrrad kann man, so meine Information, im Yellow Bike Program der Uni für 20$ pro Term immer für 24h leihen, als Datum könnte ich ja nächsten Sonntag wählen, da hab ich bisher nix vor. Ich hatte ehrlich gesagt nicht vor, jemand anderes zu fragen ob er mitkommen möchte, da 30 km schon ein bisschen weiter sind und ich die Verantwortung nicht übernehmen wollte, das alles glatt läuft. Ebenfalls habe ich bisher in diese Richtung von niemandem Resonanz bekommen. Als ich Freitag Evan von der Idee erzählte, bot er mir an, dass ich sein Fahrrad leihen könnte. Super, 20$ gespart!

Am Samstag regnete es dann, und ähnliche Wetterverhältnisse waren für Sonntag gemeldet. Am Sonntag sah das Wetter dann eigentlich gut aus, wenn man von der enormen Hitze absah, daher verzog ich mich erstmal in die DC Library. Um 14 Uhr hatte ich dann entschlossen, doch heute zu fahren, trotz Hitze und die Gefahr eines Gewitters am Abend. Bis ich das Fahrrad von Evan bekommen hatte und abfahrbereit war, ging noch eine Menge Zeit ins Land, um viertel vor 5 (!) konnte ich starten. Sollte aber kein Probelm sein hatte ich mir gedacht, 90 min hin, 1h dort und 90 min zurück, dann ist es 9 abends und dann geht erst die Sonne unter. Und vielleicht wird es ja gegen Abend auch noch ein bisschen kühler.

Mein absolutes Lieblingsfahrrad am Victoria Park in Elora

Mein absolutes Lieblingsfahrrad am Victoria Park in Elora

Das Fahrrad, was Evan mir geliehen hatte, war das unkomfortabelste Bike was ich jeh gefahren bin (und ich fahre sonst scho verdammt unkomfortable Fahrräder). Ein Gang, keine Federung, nur eine Bremse mehr oder weniger funktionstüchtig, kein Licht und ein Sattel, dem ich nachher den liebevollen Namen Gesäßknochenspalter gegeben habe. Ausserdem klang es bei jedem Tritt so, als würde es im nächsten Moment auseinanderfallen, ich tippe auf das Tretlager. Also los gehts!

Die ersten paar Minuten kämpfte ich mich aus den Gewerbegebieten von Waterloo, die oft keinen Radweg, aber dafür einen Gehweg besaßen, den ich aus Angst vor den Autos einfach mal missbrauchte. Als ich dann Waterloo verlassen hatte, hörte auch der Gehweg auf. Aber das Verkehrsaufgebot schrumpfte auch, von daher ging das wohl klar. Nach Waterloo kam noch die Kleinstadt Conestogo und danach bis Elora nur noch kleinste Gemeinden, hier Townships genannt. Genau das hatte ich erwartet und genau das hab ich gewollt. Die Fahrt über die Dörfer war super interessant, und nach 90 min bin ich sogar in Elora angekommen, zwar total verschwitzt und mit schmerzenden Extremitäten, aber immerhin da. Die Sonne neigte sich auch langsam gen Westen, daher wollte ich nicht zu viel Pause machen.

Beautiful Landscape, das Flussbett des Great River

Beautiful Landscape, das Flussbett des Great River

Elora ist eine Kleinstadt, die außer ihrer Natur und einer kleinen historischen Straße eigentlich nicht viel bietet. Aber der Weg war ja in diesem Falle auch eher das Ziel. Der Victoria Park und der Blick über die Schlucht, den man von dort hat, sind aber auf jeden Fall eine Reise wert. Es gibt auch eine Menge Geschichten (natürlich), die man zu der Schlucht erzählen kann. Eine prominente ist die von der Indianerfrau, die sich von den Felsen in den Tod gestürzt hat, nachdem ihr Mann im Kampfe gegen einen anderen Stamm gefallen war. Ich meine die Geschichte schonmal gehört zu haben, aber sie ist natürlich auch nicht sehr phantasievoll. Bestimmt gibt es an mehreren Orten solche Geschichten.

Eloras Gorge, von hier ist also die Indianerfrau gesprungen?

Eloras Gorge, von hier ist also die Indianerfrau gesprungen?

Die Gegend, durch die ich gefahren bin, ist noch aus einen anderen Grund ein bisschen berühmt, dort befinden sich einige Siedlungen der sog. Alt-Mennoniten (vergleichbar mit den in Deutschalnd bekannteren Amish People, jedoch nicht das selbe), daher kann man dort häufig auf Mitglieder dieser sehr traditionell und zurückgezogenen lebenden Glaubensrichtung treffen. Diese lehnen weite Teile des technischen Fortschrittes ab. Erkennbar ist dies durch die Nutzung von Pferdewagen als Transportmittel oder durch das Tragen von traditioneller Kleidung. Viel mehr weiß ich leider auch nicht darüber. Auf dem Rückweg bin ich zufälligerweise in West Montrose vorbeigekommen, dort gibt es eine historische Covered Bridge (“Kissing Bridge” genannt, weil sich in ihrem Sichtschutz früher die Liebenden getroffen haben sollen). Leider saß mir zu diesem Zeitpunkt die Zeit ziemlich im Nacken, weshalb es nicht für mehr als ein Foto gereicht hat.

"Kissing Bridge" of West Montrose

“Kissing Bridge” of West Montrose

Der Rückweg war eh mehr als abenteuerlich. Ich war bereits erschöpft vom Hinweg und mein Hintern erlaubte mir kein entspanntes Sitzen mehr, da lockerte sich auch noch der Lenker und kippte ständig nach unten. Das Resultat war, dass ich mich für über eine Stunde weder gescheit hinsetzen, noch auf dem Lenker abstützen konnte, was bei einem Rad mit Rennradarchitektur sehr, sehr anstrengend ist. Schlussendlich schaffte ich es aber, das Rad pünktlich mit dem Eintreffen der Dunkelheit wieder bei Evan abzugeben. Ich glaube, das war meine letzte Radtour. Zumindest mit diesem Rad.

Der Blick verrät einiges...wie weit ists noch?

Der Blick verrät einiges…wie weit ists noch?

Noch ein paar Eindrücke, die ich von der kanadischen Kleinstadtidylle erhalten habe:

Erstens: Die Qualität der Straßen schwankt stark! Es gibt Straßen, die ganz okay sind (meist Hauptverkehrsstraßen), aber der Großteil der Straßen ist in einem absolut schlimmen Zustand, zumindest wenn man dort mit einem Fahrrad ohne Federung und Sattelkomfort drüberfahren muss.

Zweitens: Ich dachte immer, der kanadische Nationalsport ist Eishockey, aber ich bin mir nun sicher, dass eigentlich Rasenmähen der heimliche Nationalsport ist. Das typische Haus steht hier einfach mitten auf dem Grundstück auf einer großen Rasenfläche, ohne Zäune oder Sichtschutz, und der Rasen ist IMMER perfekt gemäht. Das Standarthaus ist vergleichsweise klein und sieht oft so aus, als ob es beim nächsten Windstoß einfach wegfliegen würde, aber es gibt auch etliche kleine Schlösser. Nichtsdestotroz ist der Rasen immer perfekt gemäht. Vielleicht fällt mir das auch nur so auf, weil es eben keine Zäune oder Hecken oder Beete als Sichtschutz gibt. Das Grundstück hört einfach irgendwo auf und dann beginnt halt der Rasen vom Nachbargrundstück.

Haus mit mehreren Hektar Land, aber der Rasen ist gemäht!

Haus mit mehreren Hektar Land, aber der Rasen ist gemäht!

Drittens: Ich bin mir ziemlich sicher, dass es in den kleineren Townships nur einen Schulbus pro Gemeinde gibt, und dieser steht auf der Auffahrt des Schulbusfahrers. Ich habe mehr als einen Schulbus auf privaten Auffahrten gesehen. Vielleicht ist Schulbusfahrer hier ja ein Vollzeitjob? Aber jede Gemeinde hat auch ihre eigene Schule, von daher passt das ganz gut zusammen. Aber genau weiß ich das natürlich nicht.

Schulbus

Schulbus

So, das war es nun von der weiten Welt um Waterloo. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass ich das alles problemlos überlebt habe. Ich hätte nicht gewusst, was ich z.B. bei einem Platten hätte machen sollen. Aber über ungelegte Eier… ihr wisst das ja. Mir hat es Spaß gemacht. Und das zählt.

"Erfreue dich an den kleinen Dingen". Mach ich gerade.

“Erfreue dich an den kleinen Dingen”. Mach ich gerade.

Viele liebe Grüsse und macht doch auch mal wieder eine Fahrradtour,

euer Niko

Toller Pickup, aber eigendlich wollte ich......diese eindrucksvolle Farm zwischen Waterloo und Conestogo fotografierenSiedlung in ConestogoNanu, wohnt hier ein Hobbit? Ich dachte die leben alle in Neuseeland...Schulbus"I ride a lonely road, the only one that I have ever known"Haus mit mehreren Hektar Land, aber der Rasen ist gemäht!Felder soweit das Auge reicht, irgendwo zwischen Conestogo und EloraKrankenwagen, der kam aber gerade erst als ich vorbeifuhrBeautiful Landscape, das Flussbett des Great RiverDie mit Abstand kleinste Schule die ich je gesehen habe. Ich tippe auf eine Mennonitenschule, weiss das aber nicht.Achtung Kutschen! Nicht übertriebenMennonitenkutsche"Erfreue dich an den kleinen Dingen". Mach ich gerade.Letzte Abfahrt nach EloraPferderennbahnPause in Elora am Grand River. Hab ich mir verdient.EloraSemi-historische Brücke in Elora"Altstadt" von EloraKomische Typ am Grand River in Elora......und so sieht es weiter Rechts ausElora Mill Inn, auch irgendwie historisch wertvoll, aber fragt nicht...Victoria Park in EloraMein absolutes Lieblingsfahrrad am Victoria Park in EloraElora GorgeEloras Gorge, von hier ist also die Indianerfrau gesprungen?Elora GorgeElora GorgeDie Indianergeschichte zum NachlesenStairway to hell. Ach nein, nur an den Grund der Schlucht. Aus Zeitmangel bin ich nicht runtergegangen.Elora Gorge mit Blick auf David Street BridgeDie Geschichte der David Street Bridge nochmal zum nachlesenBlick von der David Street Bridge, wenn man genau hinsieht, kann man badende Menschen erkennen. Echt wahr!Der Blick verrät einiges...wie weit ists noch?Wer möchte nicht Hausnummer 7160 wohnen?"Kissing Bridge" of West MontroseJetzt weiss ich auch, warum die Verkehrsgesellschaft hier Grand River Transit heisst.Welcome to Waterloo - endlich! Die Sonne ist schon fast verschwunden.

2 Gedanken zu „[R] Elora Gorge by Bike

  1. Ma

    O Niko!
    Hast du vielleicht während deines Aberteuers häufiger heftiges Flügelschlagen vernommen oder merkwürdigen Wind verspürt?
    Dein Schutzengel hat sich sicher eine Woche Ruhezeit verdient. Ich find natürlich dein Abenteuer toll, aber nur, weil besagter Schutzengel so fleißig ist. Und das nennt man dann “Glück gehabt!” Dir tut das sicher gut, denn du machst ja gerne abenteuerliche Erfahrungen.
    Ich wünsche dir weiterhin so viel spannende Erlebnisse. Die Kerze dazu zünde ich dann an!
    Deine Ma
    Die Gegend ist wirklich schön!

    Antworten
  2. Fabian

    Hi Niko das hört sich ja echt spannend an würd ich auch wohl gern machen, allerding mit einem anderen Rad;-) Die Bilder sind mal echt cool. Dir weiterhin viel Spaß. Vielleicht hören wir uns die Tage bei Skype. Schöne Grüße Fabian

    Antworten

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