Back to the Blogs?

Warum ein Blog, Niko? Warum E-Mail? Warum nicht Facebook?

Ja, warum eigentlich nicht?

Ich habe in den letzten Wochen öfter darüber nachgedacht, ob ein Facebookaccount für meine Reise (und vielleicht für die Zukunft danach) nicht sinvoller gewesen wäre, als dieses Blog. Gerade hier in Kanada ist die erste Frage (oft noch vor der Handynummer) “Are you on facebook?”. Nein, bin ich nicht. Nein, ich benutze E-Mail. Du nicht? Das ist ok, ich kann das verstehen. Bedingt.

Also warum eigentlich nicht Facebook? Oder Twitter. Oder Google+. Ach nein, Google+ nicht, da würde ich niemanden und mich niemand erreichen. Was aber nicht an der Plattform selbst liegt, sondern an dem ersten Grund, der oft für Facebook genannt wird: Da sind schon alle, da kann man mit allen in Kontakt bleiben. Ganz einfach. Aber das stimmt nicht.

Meine Eltern beispielsweise, die sind nicht auf Facebook. Okay, das sind viele andere Eltern und Großeltern auch nicht. Die wichtigen Personen aber, die sind auf Facebook. Und das ist der erste Fehler.

Mit einer Reduzierung der Kommunikation auf ein soziales Netzwerk, von dem man Teil sein muss, um an der Kommunikation teilzuhaben, limitiert sich automatisch auch der Anteil, der für die Kommunikation verfügbaren Individuen. Damit bestimme ich nicht mehr selbst, sondern lasse mir von Facebook vorschreiben, wer an meiner Kommunikation teilhaben kann, wer wichtig ist. In ist, wer drin ist. Ich bin mehr als einmal bisher von einer Kommunikation ausgeschlossen gewesen, weil ich kein Facebook hatte. Somit würde ich mit der Nutzung von Facebook all jene benachteiligen, die nicht bei Facebook sind. Das möchte ich nicht.

Ein weiterer Grund für Facebook: Facebook ist einfach. Das höre ich wirklich oft von Facebooknutzern, es sei so einfach, mit jemandem über Facebook zu kommunizieren. Die Möglichkeiten, die Facebook für die Kommunikation nutzt, sind aber weder neu noch eine Erfindung von Facebook. Das Medium Chat war schon en vouge als ich noch…lassen wir das. Damals hieß er nur ICQ und war genau so unsicher wie Facebook es heute ist. Nur ist ICQ irgendwie ausgestorben. Glaube ich zumindest. Auch zur persönlichen Nachicht gibt es ein Pendant, schonmal etwas von E-Mail gehört? Und das von Facebook bereitgestellte Profil kann auch anderweitig erstellt werden, eigens zu diesem Zweck hat die Netzcommunity WordPress oder vergleichbare Blogsysteme entwickelt.

Die Frage ist nur, warum ist Facebook so erfolgreich, wenn es alle Komponenten bereits gibt? Warum verschenken Millionen von Individuen ihre Nutzerdaten an einen Konzern, der ein Best-of der Netzkommunikation bereitstellt, dabei aber alle ausschließt, die dazu nicht bereit sind? Die Antworten stehen bereits weiter oben. Facebook ist einfach und in den meißten sozialen Systemen bereits zu tief verankert.

Aber was ist, wenn diese Einfachheit nicht mehr ausreicht? Wenn man eben keine Chronik möchte, oder es nicht mag, wenn man bei der Auswahl seiner Informationen bevormundet wird? Wenn man die Werbung leid ist? Oder wenn man mit jemandem Kontakt aufnehmen oder halten möchte, der gerade nicht bei Facebook ist? Oder wenn man vielleicht sogar Angst hat? Vor dem Kontrollverlust über die eigenen Daten (sowas soll es ja geben), das eigene Profil oder andere Inhalte, die man liebgewonnen hat?

Dann hat man ein Problem, denn nichts auf Facebook ist dein Eigentum. Nichts, nicht deine Daten, nicht deine Fotos, nicht deine Inhalte, nicht deine Freunde, alles gehört Facebook. Das ist der Preis, den du für das vermeidlich kostenlose Profil bei Facebook bezahlt hast. Und mit allen anderen Social Networks ist es genau so. Facebook und andere Dienste übernehmen und privatisieren mit dieser Strategie einen großen Teil des Inhaltes im Internet und damit einen großen Teil des Internets an sich, denn das Internet besteht nun mal hauptsächlich aus Inhalten. Währenddessen gängeln und bevormunden sie unaufhörlich ihre Nutzer. Du willst dein altes Profil behalten und keine Chronik? Pech gehabt. Du willst auf Bildern nicht erkannt werden? Schade, die Gesichtserkennung hat dich schon markiert. Du wolltest eigentlich privat surfen? Dein Browser hat leider gerade deinen Verlauf gepostet. Nein zu sagen, etwas zu ändern, das ist schwierig bis unmöglich, aber auch gar nicht gewollt. Und das ist eine gruselige Realität, von der ich nicht Teil sein möchte.

Mein Profil ist mein Blog. Meine persönlichen Nachichten die E-Mails. Und das nicht, weil ich altmodisch bin. Sondern weil es meine Inhalte sind. Sie liegen auf meinem Server und ich alleine kann darüber bestimmen und sie teilen, mit wem ich möchte. Ohne Werbung. Ohne Angst. Ohne Kontrollverlust. Ohne Gängelung. Und damit leiste ich meinen Beitrag zur Freiheit des Internets.

Read further: http://www.spreeblick.com/2012/12/28/2013-das-web-zuruck-erobern/

2 Gedanken zu „Back to the Blogs?

  1. Wolfgang

    Gedanken wer macht sich schon noch Gedanken . Klingt ja fast wie Herr Snowden der macht sich auch soviel Gedanken . Bei Facebook da macht man sich nicht so viele Gedanen , das wird uns abgenommen , da braucht man sich keine Gedanken zu machen ,die machen sich schon Gedanken, was man so alles mit Deinen Daten machen kann . Es gibt viele Möglichkeiten bei denen man sich keine Gedanken machen muß und es gibt viele Menschen die sich da gern ihre Daten (Gedanken ) abnehmen lassen , ist doch eigendlich ———— naja muß jeder selber wissen ! Oder so——

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